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Legasthenie

Diagnose und Beratung bei Legasthenie oder Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)

Maedchen mit Buch Alle Kinder freuen sich auf die Schule, doch bei einigen von ihnen entwickelt sich bereits nach wenigen Monaten eine gewisse Schulabneigung, insbesondere dann, wenn eine Lernstörung vorliegt. Im Folgenden werden einige Fragen erläutert, die nicht zwingend bei allen Schülern gleichermaßen auftreten müssen.

Schreibt Ihr Kind ungewöhnlich viele Wörter falsch ?

Verwechselt es ähnlich klingende Buchstaben (b-p / d-t / g-k)?

Errät Ihr Kind viele Wörter oder lernt es Texte auswendig?

Hört Ihr Kind in den Wörtern die Einzellaute nicht heraus?

Vertauscht Ihr Kind Buchstaben (statt „fragt”: „fargt”)?

Hat Ihr Kind Konzentrationsschwierigkeiten?

Hat Ihr Kind eine extreme Lese- und/oder Schreibunlust?

Sollten Sie einige Punkte mit „ja“ beantworten, so kann eine Testung Klarheit bringen. In diesem Fall nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf, damit wir mit Ihnen ein unverbindliches und vertrauliches Erstgespräch führen können. Lese- und Rechtschreibprobleme dürfen nicht mit der Bemerkung abgetan werden, dass sich diese Schwierigkeiten mit der Zeit von selbst auswachsen. Daher ist es wichtig, dass Kinder mit auffallend häufigen Fehlleistungen beim Lesen und Schreiben im Zweifelsfall auf eine Lese-Rechtschreibschwäche untersucht werden. Die von uns durchgeführten standardisierten Testungen klären ab, ob eine Legasthenie vorliegt Eine frühe Förderung ist von großer Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung, doch ist es ist nie zu spät, mit einer Therapie zu beginnen. Dies zeigen auch die Ergebnisse unserer erwachsenen Legastheniker, die durch eine spezifische Therapie deutlich besser im Lesen und Schreiben werden.

Diagnose:

Die Testung erfolgt zunächst mittels standardisierter Tests, welche anhand eines Prozentsatzes die Leistung des Kindes im Vergleich zu seinen Mitschülern ermitteln. Von einer Legasthenie spricht man, wenn der Prozentrang unter 10 angesiedelt ist und schriftsprachliche Dinge nicht so erbracht werden können, wie man es von der durchschnittlichen oder Tafel mit Anschriebüberdurchschnittlichen Intelligenz erwarten würde. Fragen zur Entwicklung ergänzen dieses Ergebnis und sollen verifizieren, dass die schwachen Lese-/und Rechtschreibleistungen weder durch besondere Ereignisse wie längere Krankheit, häufiger Schul- und Lehrerwechsel noch durch familiäre Belastungen erklärbar werden. Beobachtungen während des Erstgesprächs können Hinweise auf Sprachentwicklungsstörungen sowie Sprechstörungen (z.B. Stottern, Lispeln, Poltern etc.), Störungen in der Motorik, Wahrnehmung und Konzentration des Kindes geben. Eltern werden über Ergebnisse aufgeklärt und im Bedarfsfall an weitere Fachleute verwiesen. Bettina Kinn nennt Ihnen gerne entsprechende Anlaufstellen und stellt den Kontakt zu Fachkräften her.

Beratung:

Nach einer ersten Diagnose wird mit Hilfe einer detaillierten Fehleranalyse ein Fehlerprofil erstellt, auf dessen Basis eine erste Therapieplanung erfolgt. Die Institutsleitung bespricht mit Eltern das weitere Vorgehen in Bezug auf die Therapiegestaltung. Auch werden Eltern in dieser Phase darüber informiert, wie sie ihre Kinder während der Therapiezeit bestmöglich im häuslichen Bereich unterstützen können. Gerade die Elternarbeit ist für den Therapieverlauf von großer Bedeutung. Je mehr sich Kinder mit Schriftsprache beschäftigen, umso sicherer werden sie auch im mündlichen und schriftlichen Ausdruck.
Trotz des Zeitalters der Computertechnik gehören Lesen und Schreiben zu den elementaren Kulturtechniken, auf denen unser Bildungssystem entscheidend aufbaut. Ohne lernanregende Faktoren werden Schüler nie von selbst zum Buch greifen. Dies führt nach den Ergebnissen groß angelegter Studien häufig zu einer deutlich verschlechterten Berufssituation. Aus diesem Grund werden die Eltern immer wieder ermutigt, ihre Kinder zu stützen, da der regelmäßige Besuch der Förderung entscheidend für den Erfolg ist. Erste positive Ergebnisse treten oftmals zunächst in den diagnostischen Tests zutage, werden jedoch durch ständige Lernanregungen und spezielle Übungsbehandlungen immer größer. Ziel der Förderung ist eine Lese- und Rechtschreibkompetenz auf einem unauffälligen Niveau.

Mögliche Ursachen der Legasthenie

Nach den Erkenntnissen der aktuellen Forschung werden Verarbeitungstörungen auditiver und visueller Information für die Entwicklung einer Lese-Rechtschreibstörung verantwortlich gemacht. Dies besagt, dass bei der Lese-Rechtschreibstörung die Fähigkeit, lautliche Segmente der Sprache zu unterscheiden und im Gedächtnis zu speichern, gestört ist. Legastheniker haben demzufolge oft Probleme, Laute entsprechenden Buchstaben zuzuordnen und umgekehrt. Nicht selten leiden demnach Vorschulkinder mit einer Sprachentwicklungsstörungen nach Eintritt in die Schule an einer Legasthenie. Aus diesem Grund sollte der vorschulischen Förderung zunehmend ein größeres Gewicht beigemessen werden sollte.
Die Bedeutung der zentralen visuellen Wahrnehmung ist im Vergleich zur auditiven Wahrnehmung als Ursache der Lese-Rechtschreibstörung nach der aktuellen Forschung als geringer einzustufen. Neurobiologische Untersuchungen zeigten, dass gewisse Regionen im Gehirn bei Legasthenikern im Vergleich zu Nichtlegasthenikern verzögert und/oder geringer aktiviert werden, wenn Wörter oder Kinder beim Lesen Pseudowörter gelesen wurden. Auch im Bereich des sogenannten Arbeitsgedächtnisses zeigen Legastheniker gewisse Auffälligkeiten, wenn es um Buchstaben und Laute geht. Das bedeutet, dass betroffene Kinder zuweilen eine spezifische Gedächtnisschwäche für schriftsprachliche Materialien haben, jedoch bei graphischen Vorgaben, wie beispielsweise beim „Memory-Spiel“, keine Probleme zeigen. Familienuntersuchungen lassen eine genetische Veranlagung vermuten, denn die Rate der betroffenen Geschwister und betroffenen Eltern liegt bei fast 50 Prozent, bei eineiigen oder zweieiigen Zwillingen liegt die Rate für die Rechtschreibstörung bei 60 Prozent, für die Lesestörung um 50 Prozent.
Legasthenie tritt nicht selten gemeinsam mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität auf, welches unter der Abkürzung AD(H)S mittlerweile recht bekannt ist. Die Legasthenie ist von AD(H)S insofern abzugrenzen, als hierbei nur ganz bestimmte Lernbereiche beeinträchtigt sind.
Nachdem wir heute dem Gehirn durch spezielle Untersuchungsmethoden sozusagen „beim Denken“ zusehen können, fanden sich in der älteren Forschungsliteratur eine Vielzahl von weiteren Faktoren, die in einen ursächlichen Zusammenhang mit der Lese-Rechtschreibstörung gebracht wurden: Linkshändigkeit, frühkindliche Hirnschädigung, motorische Entwicklungsverzögerung, mangelnde elterliche Förderung, Familiengröße, Geburtsgewicht, Geschwisterrivalität, Erziehungsschwierigkeiten, neurotische Störungen bei den Eltern, Trennung oder Scheidung der Eltern, ungelöste Konflikte beim betroffenen Kind sowie niedriger sozioökonomischer Status.
Heute nimmt man an, dass alle diese Faktoren keine Ursachen der Lese-Rechtschreibstörung darstellen. Richtig ist allerdings, dass Kinder in Phasen schwieriger Lebensumstände vorrübergehend schulische Probleme entwickeln können, die jedoch abklingen, wenn die verursachenden Probleme beseitigt sind. In diesem Fall sprechen wir von einer vorrübergehenden Lese-Rechtschreibschwäche. Vermutlich ist die Verbindung verschiedener Faktoren ein Erklärungsmodell für das Entstehen von Legasthenie oder LRS.

Legasthenie-Therapie im Fach Deutsch

Unsere Förderung eignet sich für Kinder und Jugendliche von Klasse 2-10, deren schulische oder berufliche Weiterentwicklung durch eine Lese- und/oder Rechtschreibschwäche bzw. Legasthenie beeinträchtigt ist. Hier reicht eine einfache Hausaufgabenbetreuung, die im Wesentlichen nur den aktuellen Unterrichtsstoff zum Gegenstand hat, nicht aus. Vielmehr müssen die Probleme des Kindes in der audiovisuellen und/oder visumotorischen Spracherfassung und –verarbeitung, also im Wahrnehmungsbereich, auch unabhängig vom aktuellen Lernstoff behandelt werden.

  Maedchen mit Buch

Kinder und Jugendliche mit Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS) oder Legasthenie zeigen im Rechtschreiben, meistens zugleich im Lesen, Schwächen, die sie nur selten über eine Beurteilung "ungenügend" oder "mangelhaft" hinauskommen lassen. Sprachliche Leistungen, die mündlich abverlangt werden, gelingen in der Regel besser. Meist geht eine LRS einher mit Verhaltensauffälligkeiten, die sich in Konzentrationsschwäche, gesteigerter Aktivität, Aggressivität, aber auch in allgemeiner Gehemmtheit und übergroßer Verlangsamung des Arbeitstempos ausdrücken können.  

Solche und ähnliche Verhaltensauffälligkeiten bedürfen einer an den Methoden der Verhaltenstherapie orientierten Legasthenietherapie, um günstige Voraussetzungen für eine  Verbesserung der Lese- und Schreibleistung des Kindes zu erzeugen. Umgekehrt hat eine Verbesserung dieser Leistung sehr oft auch den Abbau der genannten Verhaltensauffälligkeiten zur Folge.  

Ziel der Fördermaßnahme ist es daher, die schulische Integration des Kindes/des Jugendlichen zu fördern und seine Rechtschreibleistung auf ein weitgehend „unauffälliges“ Niveau zu bringen, um eine der allgemeinen Intelligenz des Kindes entsprechende schulische und berufliche Entwicklung zu ermöglichen. Ob unsere Förderung notwendig bzw. sinnvoll ist, wird festgestellt durch

Förderkonzept bei Legasthenie im Fach Deutsch

Wir fördern nach gesicherten Erkenntnissen einer wirkungsvollen, pädagogisch und an den Methoden der Verhaltenstherapie orientierten Legasthenietherapie. Die Verbesserung der Lese- und Rechtschreibleistung über die pädagogisch angeleitete Auseinandersetzung mit dem Lesen und Schreiben stehen hier im Vordergrund. Schwerpunkte sind:

  • Förderungsansatz nach dem Stufenmodell des Schriftspracherwerbs
  • Lautdiskrimination (Lautierung, Segmentierung, Analyse und Synthese von Wörtern)
  • Lauttreue und Verschriftung
  • allgemeines Wahrnehmungstraining (visuell, akustisch, Merktechnik)
  • spezielle Lesetechnik (vorwärtsschreitendes und sinnerfassendes Lesen, Blickspannen-Übungen, Förderung mittels des Computerprogramms CELECO von Prof. Dr. Dr. Werth)
  • Rechtschreib-Regeltraining am altersgemäßen Wortschatz nach dem Prinzip der Ähnlichkeitshemmung,
  • Computer-Unterstützung (z.B. bei Dopplung/ Dehnung, Groß-/Kleinschreibung, Ableitungsverfahren, schwierigen Konsonanten, Wortstämmen und -endungen, Fremdwörtern)
  • Wortschatzaufbau, Verbesserung der mündlichen und schriftlichen Kommunikation
  • Wortformen und Ableitungen, Flexions- und Modalformen (Wort-Grammatik, insbes. für die Fremdsprache)
  • Satzaufbau und Analyse der Satzstruktur (Satz-Grammatik)
  • Lerntechnik (Lerntypus, Hausaufgaben, Vorbereitung zu Proben, Konzentrationsübungen)
  • spezielle Schreibtechnik auch zur Verbesserung der Handschrift
  • Einbeziehung kunst- und gestaltungtherapeutischer Elemente (kreative Bild- und Formensprache, Steuerung und Rhythmus der Bewegung, graphomotorische und visuomotorische Übungen, Techniken der Konzentration im Mal- und Schreibprozess, Bearbeitung psychischer Blockaden mittels kunsttherapeutischer Methoden)
  • bewusste Anwendung der Rechtschreibstrategien – Entwicklung zum automatisierten Rechtschreiben

Mutter mit KindUnsere Förderung erfolgt sowohl als Einzelmaßnahme als auch in kleinen homogenen Gruppen. Entsprechend dem Ergebnis des Diagnosetests, der vor jeder Maßnahme und nach einem ausführlichen Gespräch mit den Eltern durchgeführt wird, erstellt die Leiterin des Forums Legasthenie einen individuellen Behandlungsplan. Grundvoraussetzung für diese Arbeit ist eine tragfähige Beziehung zwischen Kind und Therapeuten. Die Therapie orientiert sich am individuellen Niveau des Kindes. Kleinschrittiges Vorgehen schafft erste Erfolgserlebnisse und vermittelt dem betroffenen Kind das Gefühl, dass es mit dieser Methode ebenfalls Lesen und Schreiben lernt. Selbstverständlich sollten Leistungsdruck und emotional belastende Situationen in der Therapie vermieden werden. Die Therapie findet in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich während der Schulzeit am Nachmittag statt.

Therapiebegleitende Maßnahmen

Neben der Arbeit mit dem Kind haben Eltern jederzeit die Möglichkeit, mit uns in Kontakt zu treten. Wenn kurze Rückmeldungen vor oder nach der Therapie nicht ausreichend sind, bieten wir nach Terminvergabe ein längeres Gespräch an. Neben diesen individuellen Gesprächen finden regelmäßig Elternvorträge und Workshops statt, die über unsere Arbeit informieren. Wichtig ist, dass Eltern unsere Arbeit unterstützen und ihrem Kind die Wichtigkeit einer guten Orthographie vor Augen führen. Sicherlich ist eine Therapie mit Aufwand und Arbeit verbunden, allerdings zeigen auch unsere Erfahrungen, dass eine langfristig angelegte Therapie letztendlich auch zum Erfolg führt. Viele Eltern, die mit uns einen längeren Weg gegangen sind, berichten uns, dass in den höheren Klassen die Liebe zur Literatur geweckt wurde. Zur Therapie gehört ebenfalls der Austausch mit der Lehrkraft, sofern uns eine Schweigepflichtsentbindung vorliegt. Für interessierte Lehrer bieten wir regelmäßige Fortbildung an, die in aller Regel über die Fortbildungsplattform FIBS buchbar sind.

Bestehen z.B. neben vorliegender Lernschwierigkeiten noch tiefgreifende psychiatrische oder psychische Störungen, verweisen wir betroffene SchülerInnen auch an einen Psychiater oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten. Ebenso gehört die Vernetzung mit dem spezialisierten Augen- und Ohrenarzt oder der spezialisierten Kinderklinik bei notwendigen stationären Aufenthalten zu diesem partnerschaftlichen Konzept.
Neben Aus- und Weiterbildungsangeboten für Pädagogen und andere Fachkräfte unterstützt das Forum vor allem auch die Arbeit der Lega-Eltern in Germering: Barbara Hubert, Germeringer Insel,
Tel.-Nr. 089/8402133 oder E-Mail:Legaeltern@freenet.de (www.legaeltern.de)

Forum Legasthenie und Dyskalkulie - Bettina Kinn info@forum-kind.com Tel. (089) 41 55 34 69